Arbeitgebermarke

„Women & IT – ein weiter Weg“

Frauen im IT-Bereich

Monster hat sich in Ihrer aktuellen Studie auch damit beschäftigt, wie Stellenüberhänge ausgeglichen werden können, etwa durch mehr Frauen in IT-Berufen. Wir befragten Dr. Katrin Luzar, Senior Manager PR und Content DACH bei Monster, welche Erkenntnisse sich in Bezug auf die Gewinnung weiblicher IT-Expertinen aus der Studie „Recruiting Trends 2017“ ziehen lassen.

Wie ist es aktuell um das Thema “Frauen und Technik” bestellt und was sind die größten Hemmnisse für mehr Frauen in IT- oder Ing.-Berufen?

Die aktuellen Ergebnisse der Studie Recruiting Trends 2017 zeigen, dass es positive Fortschritte gibt und wir für die Zukunft eine Verbesserung erwarten dürfen. Heute sagen zum Beispiel über 60 Prozent der befragten Unternehmen, dass sie die vermehrte Einstellung von Frauen als eine Möglichkeit sehen, um dem Fachkräftemangel in IT-Berufen entgegenzuwirken und auch das Arbeitsklima positiv zu verändern (56 Prozent). Dennoch ist aktuell der Anteil der Bewerberinnen bei eben diesen Unternehmen heute mit 13,3 Prozent noch eher gering. Fragt man die IT-Expertinnen selbst, was mögliche Gründe für eine geringe Begeisterung für IT-Berufe sind, so steht neben der persönlichen Präferenz für oder gegen dieses  Berufsfeld an zweiter Stelle schon der Hinweis, das Unternehmen zu wenig tun, um Frauen langfristig zu binden (60,7 Prozent). Weitere genannte Punkte liegen in der frühkindlichen Prägung aber auch mit ähnlich hohen Zahlen ein gewisses Unwohlsein, da die Arbeitsumgebung eben eher auf Männer ausgerichtet ist. 35,7 Prozent der Frauen geben auch an, dass generelle Diskriminierungen von Frauen in der IT sie von einer Karriere in Tech abhalten.

Stellen Sie bei den Arbeitgebern fest, dass das gezielte Engagement um Frauen in den letzten Jahren stark angestiegen ist?

Ja – Arbeitgeber haben verstanden, dass hier ein großes Potenzial liegt. So setzen Unternehmen neben der Nachwuchsförderung zum Beispiel auf die Kommunikation von Maßnahmen rund um die Work-Life-Balance, zeigen in Kampagnen eigene Mitarbeiterinnen als Vorbilder, bieten Mentoring-Programme oder sprechen Frauen auf Veranstaltungen wie Karrieremessen ganz konkret an.

Sie geben in einem Interview einen Ausblick auf die Studie und sagen: “Allerdings hat so manche IT’lerin den Eindruck, dass Unternehmen nur zu Imagezwecken kommunizieren, dass Frauen willkommen sind. Das zeigt: Hier muss für ein stärkeres Vertrauen geworben werden. Das können Arbeitgeber nur erreichen, wenn sie auch zu 100 Prozent zu ihrem Wort stehen. Viele tun das sicher auch. Aber was über Jahrzehnte versäumt wurde, lässt sich nicht in ein paar Jahren richten. Es braucht also auch eine gehörige Portion Geduld – auf beiden Seiten.” Als wie authentisch werden Arbeitgeber wahrgenommen und wie lässt sich Vertrauen herstellen? 

Dazu würde es einer weiteren Studie bedürfen, die detaillierter analysiert, wie es um die Eigen- und Fremdwahrnehmung bei Arbeitgebern im Bereich ITK bzw. mit ITK-Jobs bestellt ist. Dasselbe gilt für eine Tiefenanalyse rund um den Vertrauensaufbau. Wichtig wäre im ersten Schritt, sich als Unternehmen zu fragen, welche Touch-Points es überhaupt gibt, wie man dort aktuell kommuniziert, ob man wirklich alle Berührungspunkte und Kanäle nutzt. Darauf aufbauend kann gemeinsam mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern besprochen werden, ob sie sich selbst dort wiederfinden, und entsprechend weitere Strategien entwickeln.

Wie wichtig ist es, auf der eigenen Karriere-Website oder in Karrieremagazinen IT-Arbeitnehmerinnen des Unternehmens zu Wort kommen zu lassen, um zu zeigen, dass man sich um Frauen auch wirklich bemüht und diese Entwicklungschancen haben?

Hauseigene Plattformen und Publikationen sind aus Unternehmenssicht wichtige Elemente, weil die Kanäle schlicht und einfach vorhanden sind. Wir haben in unserer Studie Recruiting Trends 2017 abgefragt, wie glaubwürdig so genannte „Employer Branding Aussagen“ in unterschiedlichen Kanälen sind. Weniger glaubwürdig wurden hier unternehmenseigene Blogs oder Firmenvideos bewertet, wichtiger waren dass Freunde, Bekannte oder Familienangehörige Aussagen bestätigen (75,5 Prozent), Bewertungen auf Unternehmensbewertungsplattformen dies bestätigen (58,2 Prozent) oder man es auf die Webseite schreibt (57,2 Prozent). Daraus abgeleitet haben persönliche Empfehlungen und Bewertungen einen höheren Stellenwert/Glaubwürdigkeit.

Wer also zufriedene Mitarbeiterinnen hat und diese als Botschafter für die externe Kommunikation gewinnen kann, geht in die richtige Richtung. Kandidaten wollen möglichst detailliert wissen, wie sie ihre im Studium erworbenen Kompetenzen im Beruf anwenden können.

Befriedigen die Karriere-Webseiten der Unternehmen dieses Informationsbedürfnis mehrheitlich?

Karriere-Webseiten bieten sehr unterschiedliche Informationen und sind ganz verschieden aufgebaut. Es ist daher schwer, eine allgemein gültige Aussage zu treffen. Auch hat jeder Kandidat individuelle Informationsbedürfnisse. Wichtig ist es aus unserer Sicht, Kandidaten den Tipp zu geben, direkt mit den Personalabteilungen interessanter Unternehmen Kontakt aufzunehmen. Auch als Berufseinsteiger. Wenn Fragen offen sind oder man bestimmte Details vermisst, können die Experten aus HR direkt Hilfestellung geben und auch Gespräche mit den Fachabteilungen vermitteln.

Womit hat der Mittelstand am meisten zu kämpfen, wenn er Top-Talente für sich gewinnen möchte? Ist es nur der fehlende “große Name” der Big Brands oder machen die mittelständischen Arbeitgeber auch methodische Recruitingfehler?

Sicher spielt der Name immer eine Rolle, um eine erste Aufmerksamkeit zu erzeugen, aber gerade im Bereich IT und Tech sind es kleinere Spezialisten oder Start-ups, die nicht allein über die Firmengröße punkten können. Kleinere Arbeitgeber können im Recruiting viel über das eigene Netzwerk bewegen. Die Branche trifft sich, tauscht sich aus und diskutiert – wer hier als Unternehmen präsent ist und seine Mitarbeiter zu Botschaftern für das Unternehmen macht, kann viel erreichen.

Welche Ergebnisse Ihrer Studie haben Sie selbst am meisten überrascht?

Zum einen die Zahl 51,4 Prozent: Das ist die Anzahl an Kandidaten, die heute lieber von Unternehmen angesprochen werden möchten anstatt selbst zu suchen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sich das Blatt gewendet hat und sie sich bei den Kandidaten bewerben müssen. Speziell für den Bereich Women in IT hat mich überrascht, dass 44,2 Prozent der IT-Expertinnen den Eindruck haben, Unternehmen würden nur zu Imagezwecken kommunizieren, dass Frauen willkommen seien und gerne eingestellt würden. Das erscheint mir wenig Vertrauen zu herrschen, welches aber dringend aufgebaut werden muss.


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