Arbeitgebermarke

Recruiting im Gesundheitswesen

Nachrückende Generationen wissen genau, worauf sie wert legen.

Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen stehen vor der Herausforderung, ausreichend Personal zu gewinnen, um die Aufgaben in einer immer älter werdenden Gesellschaft zu lösen. Im Gegensatz zu Wirtschaftsunternehmen tasten sie sich auf Themen wie Employer Branding erst vorsichtig heran. Hier präsentieren wir einige gute Lösungen und zeigen, wie sich diese noch verbessern und in der Praxis möglichst nutzbringend einsetzen lassen.

Aktuell erleben Recruiter Zeiten, in denen Stellenanzeigen im wahrsten Sinne des Wortes austauschbar sind und eine Differenzierung von Arbeitgebern darüber nicht gegeben ist. Wie aber soll man ohne Stellenanzeigen oder – wenn diese nicht aus dem Maßnahmenpaket gestrichen werden sollen – an das heißbegehrte Personal kommen?

Auch internationale Bewerber müssen angesprochen werden

Schreiben Sie nicht nur aus, sondern gehen Sie aktiv auf die Bewerber zu. Das bedeutet nicht nur, auf Messen präsent zu sein und persönlichen Kontakt zu suchen. Vielmehr müssen Sie den Interessenten zu jedem Step des Bewerbungsprozesses spannend aufbereitete Informationen zur Verfügung stellen. Das beginnt mit der oft zitierten, im Gesundheitswesen aber längst noch nicht immer gut umgesetzten Unternehmenswebsite.

Ein ansprechendes Beispiel hat die Agentur Remy und Remy aus Augsburg für den Dritten Orden realisiert – das Ergebnis wurde schon 2010 von der Medica als beste Klinik-Website ausgezeichnet. Um aktuellen Entwicklungen zu entsprechen, wurde sie nun an die neuesten Entwicklungen angepasst. Direkt von der Startseite aus sieht der Besucher eine Verlinkung zum Thema „Karriere“, die auf einen Klick nicht nur die Seite „freie Stellen“, sondern auch eigene Seiten für unterschiedliche Bildungswege sowie „Auslandsabschlüsse“ anbietet. Gerade der letzte Punkt ist für die Vielzahl der ausländischen Bewerber sehr hilfreich, existieren international stark unterschiedliche Ausbildungsmodelle.

Praxis-Tipp

Prüfen Sie, ob es Pflegefachkräfte aus einer bestimmten Region/ Land gibt, mit denen Sie besonders gute Erfahrungen gemacht haben. Erweitern Sie Ihre Zielgruppe im Recruiting dadurch aber nicht nur formal, sondern bieten Sie eine mehrsprachige Seite zur Anerkennung der ausländischen Abschlüsse an. Auf jeden Fall sollten Sie Kontaktmöglichkeiten eines ganz konkreten Ansprechpartners auf der Seite listen, damit sich Ihre Interessenten nicht wieder von der Seite wegbewegen, sondern direkt mit Ihnen in Kontakt kommen können. Eine entsprechende SEO-Optimierung in der Zielsprache ist selbstverständlich.

Muss es immer Text sein?

Immer öfter greifen Hersteller zu Erklärvideos für ihre Produkte. ResMed beispielsweise nutzt Erstere, um zu erklären, wie Beatmungstherapie dem Patienten helfen kann. Warum sollten Sie dieses Medium nicht dazu nutzen, um Mitarbeiter über Ihr Unternehmen berichten zu lassen? Anstatt lange Texte zu lesen, können Interessenten sich so ganz bequem informieren lassen. Dazu kommt ein weiterer Vorteil: Diese Videos transportieren viel mehr Informationen als nur das gesprochene Wort. Durch Ihre Mitarbeiter entstehen beim Zuschauer Emotionen – diese binden den Interessenten umgehend an Ihr Unternehmen, weil er bereits seine zukünftigen Kollegen kennenlernen durfte.

Ideal ist es, wenn Bewerber bei ihrem Vorstellungsgespräch auch einen oder zwei der „Video-Kollegen“ live treffen. Sofort entsteht eine angenehme Atmosphäre, in der der Interessent sich auf der menschlichen Ebene wohler und sicherer fühlt. Ein Beispiel für eine Website, in der die Mitarbeiter nicht durch „seelenlose“ Stockbilder, sondern „in echt“ vorgestellt werden, ist die Website der Rotkreuzkliniken in München. Auf der Startseite sieht jeder Besucher bereits Bilder der Angestellten, die mit Namen und Position präsent sind. Die Fotos wirken authentisch und sorgen für eine erste Sympathie seitens des Besuchers – sei er/sie nun Patient oder eben Interessent.

Praxis-Tipp

Zeigen Sie Ihre Mitarbeiter nicht nur, erzählen Sie deren Geschichte! Sollten Ihnen die Videos nicht möglich sein, verfassen Sie kurze Texte, die den Menschen hinter dem Mitarbeiter präsentieren. Zeigen Sie die Vielfalt in Ihrem Unternehmen und zeigen Sie das Kapital, das Sie so erfolgreich macht: Werden Sie zukünftiger Kollege eines tollen Teams!

Langfristige Perspektiven

Fachkräfte des Gesundheitswesen wissen, welch heiß umkämpftes Gut sie sind. Umso schlechter wäre es, sie nach der Einstellung als genau das zu behandeln: Ein Gut. In einer Branche, in der es um individuelle Patienten und deren bestmöglichen Versorgung geht, sollte das Recruiting, beziehungsweise die HR-Abteilung, diesem Bestreben in keinster Weise zurückstehen. Wenn Mitarbeiter wissen, dass sie nicht nur als Fachkraft, sondern auch als Mensch anerkannt werden, entsteht eine ganz besondere Loyalität. Zeigen Sie aber nicht nur ihren Mitarbeitern, sondern auch Interessenten, wie der Weg nach der Einstellung verläuft. Gibt es einen festen Einarbeitungsplan? Lässt sich eine ungefähre Regel ableiten, in welchen Zeitrahmen welche Karriereschritte durchlaufen werden? Bieten Sie Weiterbildungen an und wenn ja, zu welchen Bedingungen? Knebelverträge à la „drei Jahre nach Weiterbildung verbleiben Sie im Unternehmen oder wir fordern die Kosten zurück“ sind im Übrigen nicht nur unattraktiv und sorgen für Zwang, wenig Motivation und schon gar nicht Loyalität.

Praxis-Tipp

Werten Sie Ihre eigenen Daten aus: Wie viele Mitarbeiter haben in den letzten 3 Jahren an Weiterbildungen teilgenommen? In welche Altersklassen entfallen die Teilnehmer und nicht-Fortgebildeten – benachteiligen Sie ungewollt (!) vielleicht eine Altersgruppe? Dabei sollte nicht nur das Lebensalter der Mitarbeiter erfasst werden, sondern auch, wie lange er/sie bereits im Unternehmen tätig ist. Oder Stichwort Wissenstransfer: Organisieren Sie Workshops, in denen Mitarbeiter unterschiedlicher Karrierelevel miteinander über Arbeitsprozesse diskutieren können? So können sich Probleme am Arbeitsplatz gemeinsam lösen lassen, die persönliche Wertschätzung wird für alle Teilnehmer unterstrichen und individuelle Unzufriedenheiten stauen sich nicht über einen längeren Zeitraum an.


Beitragsbild: © rawpixel, Unsplash.com