Das Recruiting Journal

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Tristan Poetzsch (Bild) studiert Psychologie (Master) an der Universität Würzburg und ist seit 2013 in der studentischen Beratung aktiv. In der Zeit hat er sowohl in einigen Projekten gearbeitet wie auch als Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit im JCNetwork (Dachverband studentischer Beratungen) Erfahrungen gesammelt. Er vertritt die Ansicht, dass Studenten in der heutigen, schnelllebigen Zeit am besten durch eine Mischung aus persönlichem Kontakt und medialer Begleitung erreicht werden.

Erklären Sie uns doch bitte, welche Projekte studentische Beratungen betreuen und wie professionell Sie arbeiten?

Studentische Beratungen können viele unterschiedliche Projekte anbieten – je nach Erfahrung und lokaler Aufstellung variiert hier das Angebotsportfolio aber stark. Typisch sind zum Beispiel Marktstudien, Marketingkonzepte, Recruitingkonzepte oder auch Businesspläne. Aber auch IT-Anforderungsanalysen, Prozessoptimierungen oder Pricing-Studien sind möglich.

Die Beratungsqualität ist in den allermeisten Fällen sehr hoch. Besonders die Projektleiter greifen meist bereits auf vielfache Projekterfahrung und Praktika in verschiedenen Unternehmensberatungen und Konzernen zurück. Man muss sich nur mal vor Augen führen, dass viele studentische Berater im Anschluss an ihr Studium direkt bei einer Beratung einsteigen und da für ein vielfaches des studentischen Preises direkt für Großkunden und Konzerne arbeiten.

Damit gehören Sie und Ihre Kommilitonen zu einer attraktiven Zielgruppe für Arbeitgeber. Gibt es schon während des Studiums Angebote für Sie?

Ja, die gibt es. Aber das bedeutet nicht, dass einem die Angebote einfach magisch zufliegen. Man muss schon aktiv Netzwerken und seine beruflichen Profile auf Xing und co. pflegen.

Im Sommersemester richten Sie in Mainz einen Kongress für Ihren Dachverband aus? Wie viele Nachwuchsberater erwarten Sie da und nutzen Arbeitgeber Ihren Kongress, um Kandidaten anzusprechen?

In Mainz werden vom 18. bis 21. Mai etwa 500 Junior Consultants des JCNetwork zu einem Wochenende voller Weiterbildung und Netzwerken zusammenkommen. Mit dabei sind natürlich auch viele Unternehmensberatungen, von PwC über Assure Consulting bis hin zu Deutsche Bahn Management Consulting, die sich persönlich präsentieren und zur Weiterbildung beitragen.

Welches sind für Sie kluge Wege, auf dem Campus angehende Top-Absolventen anzusprechen?

Am besten erreicht man Studenten persönlich. Besonders in einer Welt, wo man ständig und von allen Seiten mit Informationen und Anzeigen bombardiert wird, gewinnt die persönliche Kommunikation nur noch mehr Stellenwert.

Darüber hinaus ist aber auch eine mediale Begleitung sinnvoll. So sollte eine gesunde Mischung aus klassischer Werbung und Native Advertising  – zum Beispiel Publizierungen in Magazinen – sowohl die Bekanntheit wie auch das Bild als interessanter Arbeitgeber bereichern. Glattgebügelte Employer Brands und langweilige PR-Texte ziehen hingegen niemanden mehr in den Bann.

Man hört immer, dass Studierende keine gedruckten Wörter mehr lesen?

Studenten lesen immer noch. Das Medium ist zunehmend egal, weil viele Inhalte sowohl gedruckt als auch digital zur Verfügung stehen. Das Problem ist letztlich nicht das Medium, sondern der Inhalt. Heutzutage publiziert ja jeder irgendwo, aber die wenigsten haben tatsächlich auch etwas zu sagen.

Nach welchen Kriterien werden ihrer Meinung nach heute Arbeitgeber ausgewählt?

Es gibt zwei Voraussetzungen: Das Gehalt muss stimmen und die Arbeitsatmosphäre sollte nicht schlecht sein. Aber vor allem muss ein Arbeitgeber das Thema persönliche Weiterentwicklung unterstützen. Viele denken heutzutage nicht nur über die ersten Jahre im Berufseinstieg nach, sondern auch über das was danach kommen soll. Mentoring, regelmäßige Schulung und wöchentliche Arbeitszeit zur freien Fortbildung sind die echten Pluspunkte hier. Das macht ja zum Beispiel auch Google so attraktiv. Und natürlich muss die alltägliche Arbeit interessant und fordernd sein.

Was ich hingegen nicht mehr hören kann sind Arbeitgeber, die mir erzählen, dass man ja „eigentlich gar nicht richtig arbeitet, weil es soooo viel Spaß macht“, wo die Mitarbeiter quasi nur gemeinsam Sport und Urlaub machen und alle in einer rosaroten Welt leben. Das glaube ich einfach nicht. Dafür gehe ich in den Freizeitpark, nicht zur Arbeit.