Hochschulmarketing

Stimmen Ihre Target-Unis noch?

„Seit mehr als 20 Jahren sind die RWTH Aachen für Ingenieure und die Uni Mannheim für BWLer unsere Target-Unis!“ Wenn Personalmarketing-Verantwortliche die Liste der Target-Unis vom Vor-Vorgänger übernehmen, ist die Gefahr groß, dass wichtige neue Standorte und Lehrstühle unter dem Radar bleiben. Aber genau dort werden heute die interessanten kreativen Köpfe ausgebildet. Einige Inspirationen, das Visier neu zu justieren.

Google und Facebook mit Deep Learning die Stirn bieten

Masterstudenten des Instituts für Informatik an der Technischen Universität Berlin haben die Chance, innovative Informationstechniken und künstliche Intelligenz live mitzugestalten. Zumindest, wenn sie am Lehrstuhl für Maschinelles Lernen arbeiten. Der bekannte Forscher der Theoretischen Informatik Prof. Dr. Klaus-Robert Müller, hat unter sich einen Lehrstuhl aufgebaut, der seinesgleichen sucht. Seine Forschungsaktivitäten hinsichtlich Deep Learning tragen ihm viel Beachtung seitens der freien Wirtschaft ein.

Mithilfe seiner Errungenschaften um Gehirn-Computer-Schnittstellen half er beispielsweise vollständig gelähmten Patienten beim Kommunizieren mit ihren Mitmenschen. Eine von Elektroden durchzogene Mütze ermöglicht es dabei, Gehirnströme zu messen. Vor dem Patienten wird ein Monitor gestellt, auf dem Buchstaben vorbei ziehen. Das Programm erkennt infolgedessen, wenn der Patient den Buchstaben, den er sieht, aussprechen möchte. Desweiteren beschleunigte, präzisierte und vergünstigte seine Entwicklung der Support Vector Machines Gen-Analysen um ein Vielfaches. Herkömmliche Verfahren können da nicht mithalten.

Wissenschaftler des Lehrstuhls Maschinelles Lernen erforschten jüngst gemeinsam mit ihm die Automatisierung von Bild- & und Spracherkennungen und präzisierten Betrugserkennungen bei Kreditkartenzahlungen. Ihre wissenschaftlichen Tätigkeiten lieferten darüber hinaus auch interessante Erkenntnisse über autonomes Fahren.

Aktuelle Arbeiten des Lehrstuhls befassen sich unter anderem mit dem Thema Deep-Learning. Der Lehrstuhl hat sich das Ziel gesetzt, den Vorreitern auf diesem Gebiet, Google und Facebook, die Stirn zu bieten. Im Falle von Deep-Learing verhelfen neuronale Netze dem Computer dazu, unterschiedliche, ambivalente Struk­­turen zu erkennen, zu verallgemeinern und anschließend auszuwerten. Computer können auf diese Weise unter anderem einen dreidimensionalen Raum wahrnehmen und mit ihm inter­agieren.

Ein Zugeben von situationsabhängigen Daten seitens des Menschen, beispielsweise durch Datenbrillen, wird obsolet. Sie lernen vollkommen beispielorientiert. Wer jetzt meint, das hört sich alles nach Zukunftsmusik an, der irrt. Diese Art der Künstlichen Intelligenz ist zum Greifen nah – die Ergebnisse dieser Forschungen sind bereits jedermann bekannt: Staubsauger- und Rasenmähroboter, Drohnen, Ernteroboter, Logistikroboter in der Warenlagerung oder die bereits erwähnten selbstfahrenden Autos. Die Liste an Einsatzmöglichkeiten ließe sich beliebig fortsetzen. Dennoch sind sich Wissenschaftler sicher: Das gesamte Ausmaß dieser Forschungen ist schwer abschätzbar und bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Was wird nun aus den Studenten, die den Lehrstuhl verlassen? Trotz des beispielslosen Vorbilds von Prof. Dr.  Müller, sehen sich nur die wenigsten seiner Schützlinge für eine Zukunft in der Forschung auserkoren. Die lukrativen Jobs in der Wirtschaft strahlen eine viel zu große Anziehung aus. Viele verschlägt es ins Silicon Valley nach Kalifornien, einige finden ihre Berufung bei Start-ups in Europa und andere arbeiten für Unternehmerriesen wie Zalando und Microsoft, wo sie beispielsweise für die Produktentwicklung und für Suchmaschinenstrategien zuständig sind. Ihr theoretisches Wissen entfaltet in der Wirtschaft unmittelbar seine Wirkung.

Studiengang Composites an der PFH Göttingen, Campus Stade

Werkstoffingenieure für den Leichtbau

Werkstofftechniker werden im Leichtbau immer bedeutsamer. Experten gehen davon aus, dass die bereits große Nachfrage nach den Fähigkeiten dieser Composites-Spezialisten in den kommenden Jahren sogar noch steigen wird. An der PFH Göttingen werden genau solche Spezialisten ausgebildet. Der Fokus des Studiums liegt darauf, den Absolventen den Umgang mit kohlenstofffaserverstärkten und glasfaserverstärkten Kunst- stoffen zu lehren. Damit sind sie branchenübergreifend qualifiziert für Führungsaufgaben in den Arbeitsumfeldern der Faserverbundwerkstoffe. Zu diesen gehört neben der Automobilbranche auch der Schiffbau, Flugzeugbau, Schienenbau und Maschinenbau.
Sogar der Windenergieanlagenbau wird in der Zukunft verstärkt von den neuen Möglichkeiten der Werkstofftechniker beeinflusst.

Interactive Media Design an der Hochschule Darmstadt und der Uni Furtwangen

Prof. Dr. Andrea Krajewski von der Hochschule Darmstadt erklärt die besonderen Fähigkeiten der Absolventen und gibt konkrete Beispiele: „Unsere Absolventen sind in der Lage, eine große Spannweite an interaktiven Medien – von der Website über mobile Medien, das Internet der Dinge, bis hin zu Installationen für Messen und intelligente Umgebungen – zu konzipieren, zu gestalten und technisch umzusetzen. Beispiel gefällig?

Ein Reiseveranstalter möchte als Wettbewerbsfaktor das Reiseerlebnis für seine Kunden verbessern. Der IMD-Absolvent analysiert das Angebot, den Markt, die technologischen Möglichkeiten und das bisherige Reiseerlebnis der Kunden. Anhand einer Customer Journey erstellt er ein Stärken-Schwächen-Profil und schlägt mögliche Maßnahmen vor. Anschließend entwickelt er ein grobes Konzept, zum Beispiel einer Reisebegleitungs-App für Familien mit Kindern.
Neben dem gestalterischen entsteht ein technisches Konzept, das die Frage nach Datenflüssen, -sicherheit und -haltung klärt.“

Digital Innovation and Finch an der Frankfurt School of ­Finance and Management (BSc)

Fintech-Experten für Data Analytics und Artificial Intelligence

Irene Spitzbart von der Frankfurt School of Finance and Management erklärt den starken digitalen Einfluss des Studiums und gibt Ausblicke auf mögliche Arbeitsplätze: „Die Studierenden erhalten eine umfassende Ausbildung bezüglich der Herausforderungen, welche die Digitalisierung für die Unternehmen bedeutet. Darauf aufbauend werden ihnen die Fähigkeiten zur Entwicklung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien bis hin zur Produktentwicklung und -implementierung vermittelt. Die Umsetzung zu Applikationen und Backend-Anwendungen bilden weitere Schwerpunkte der Ausbildung. Im Rahmen der digitalen Strategie einer Bank, an der der Absolvent mitgearbeitet hat, besteht die Aufgabe zur Entwicklung einer Robo-Advising-Anwendung. Der Absolvent übernimmt die Projektleiter- oder eine Teilprojektleitertätigkeit. Mit seinem Wissen über die für die Applikation notwendigen Technologien und Methoden wird das System mittels selbst erstellten und am Markt erworbenen Komponenten aus den Bereichen Data Analytics, Artificial Intelligence und Natural Language Processing implementiert.“

Digital Pioneering an der Zeppelin University Friedrichshafen

Entwickler digitaler Geschäftsideen

Brigitte Lutz von der Zeppelin Universität erläutert, was die Absolventen an ihrer Hochschule auszeichnet: „Studierende entwerfen und konkretisieren während ihrer Studienzeit eine eigene digitale Geschäftsidee, indem sie die im Studium erworbenen Theorien und Methoden auf einen reellen Arbeitsbereich anwenden. Die Absolventinnen und Absolventen arbeiten beispielsweise als Projekt- oder Produktmanager im E-Business-Bereich, steuern Entwurf, Produktion und Vermarktung von Online-Applikationen; sie konzipieren Online-Marketing-Strategien oder sind in der Unternehmensberatung tätig.“