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Julia Legge – ESG ELEKTRONIKSYSTEM- UND LOGISTIK-GMBH

Best Practice: Julia Legge

Wie lösen die HR-Protagonisten und Top-Recruiter ihre Probleme? Unsere Fallbeispiele zeigen, dass die Herausforderungen sehr vielfältig sind. Julia Legge leitet das Personalmarketing bei der ESG ELEKTRONIKSYSTEM- UND LOGISTIK-GMBH. Im Interview gibt sie darüber Auskunft, wie man Bewerber idealerweise behandelt, wie eine klare Kommunikation zwischen Bewerber und Recruiter herzustellen ist und wie dadurch letztendlich die Candidate Experience im Recruitingprozess optimiert werden kann.

Candidate Experience laufend optimieren

Wie schnell bekommen Bewerber bei Ihnen einen Terminvorschlag für ein Vorstellungs­gespräch, wenn sie Ihre Anforderungsprofile erfüllen?

Wir versuchen, Bewerber möglichst schnell zu einem Gespräch einzuladen, denn es ist uns bewusst, dass Kandidaten sich meist bei mehreren Unternehmen bewerben und daher darauf angewiesen sind, möglichst schnell viele Informationen zu den unterschiedlichen Stellen und Unternehmen einzuholen, um eine optimale Entscheidung zu treffen. Wir bemühen uns, in den ein bis zwei Wochen nach Eingang einer Bewerbung einen Termin zum Vor­stellungs­gespräch zu vereinbaren.

Worauf legen Sie bei der Candidate Experience besonderen Wert?

Wichtig ist aus meiner Sicht, möglichst früh persönlich mit den Kandidaten in Kontakt zu kommen. Meistens rufen unsere Recruiter zunächst bei Bewerbern an, um Fragen zu klären, die dem Anschreiben beziehungsweise dem Lebenslauf zunächst nicht direkt zu entnehmen sind. Dadurch stellen wir die erste Verbindung her und der Kandidat weiß, dass man sich ganz individuell um seinen Vorgang kümmert. In diesem Telefonat erzählen die Recruiter bereits Einiges zum Unternehmen, was zu diesem frühen Stadium des Kontakts zu einer gewissen persönlichen und emotionalen Bindung sorgt. Aus meiner Sicht ist dieser Kontakt noch vor dem Vorstellungsgespräch ein wichtiger Baustein, um Kandidaten nicht mitten im Prozess an die Konkurrenz zu verlieren. Wenn sich aufgrund spezifischer Zuständigkeiten Ansprech­partner im Laufe des Bewerbungsprozesses ändern, so sollte dies erklärt werden. Brüche in der Kommunikation führen nicht selten zu Verwirrung und Unzufriedenheit bei Kandidaten. Sofern diese Brüche aufgrund interner Gegebenheiten unvermeidbar sind, sollten sie zumindest kommuniziert und erklärt werden. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man mit einer klaren Kommunikation meistens auf Verständnis auf Seiten der Bewerber trifft.

Wie verändert sich die Erwartungshaltung der Kandidaten was die Vorstellungs­gespräche betrifft?

Ich habe keine wesentliche Veränderung in Hinblick auf die Erwartungshaltung feststellen können, außer in Hinblick darauf, dass Kandi­daten heutzutage erwarten, Freiräume zu haben, um sich ihre Arbeit soweit wie möglich eigenverantwortlich einzuteilen. Sich einbringen, mit gestalten und Dinge be­wegen zu können: All dies ist Kandidaten heute wichtiger, als es ihnen in der Vergangenheit war – so jedenfalls meine Beobachtung.

Was sich aus Recruitingsicht verändert hat, ist die Professionalität der Bewerber: Sowohl Bewerbungsunterlagen als auch so mancher Auftritt im Bewerbungsgespräch ist professioneller, als dies noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Das liegt sicher auch daran, dass Bewerber die neuen Medien besser beherrschen und es häufig gewöhnt sind – zum Beispiel aus der Uni – sich zu präsentieren. ­­