HR-Experts

Arbeitgeberdifferenzierung, die zündet

Kreativer Kopf: Vor fünf Jahren gründete Gero Hesse das Karrierenetzwerk careerloft, das junge Menschen online wie offline auf Augenhöhe mit Arbeitgebern zusammen bringt

Gero Hesse beschäftigt sich seit 1998 mit den Themen Arbeitgeberattraktivität und Recruiting. Er gilt als einer der profundesten Kenner des Personalmarketings und führt als Geschäftsführer von TERRITORY EMBRACE ein Team aus 180 Mitarbeitern. Viele Unternehmen verlieren sich im Floskelhaften, wenn sie ihr Profil beschreiben sollen. Er beschreibt, welche drei Gründe dafür oft ausschlaggebend sind – und zeigt so gleichzeitig den Weg auf zu einer klugen Positionierung als Arbeitgeber.

„Entwickeln Sie eine klare Arbeitgeberpositionierung! Wir erleben immer noch, dass die Kunden eher an attraktiven bunten Bildchen interessiert sind, als an substantieller Strategiearbeit. Die Entwicklung einer Arbeitgebermarke kostet Zeit und Geld. Wer da nicht investiert, hat später eine vielleicht optisch gut anzuschauende Kampagne, aber keine Substanz. In einer Zeit, in der die meisten Arbeitgeber immer weniger aus dem Vollen schöpfen, wenn es um qualitativ hochwertige KandidatInnen geht, ist das meiner Meinung nach wenig sinnvoll. In der Vergangenheit hat das auch nur deshalb funktioniert, weil quantiativ viel mehr Bewerber da waren.

Die Kommunikationsabteilungen dürfen sich nicht als Weichspüler betätigen! Die meisten Personaler wissen, dass zielgruppenadäquate Kommunikation in Richtung Bewerbermarkt nicht durch glatt gespülte Banalitäten zu lösen ist. Gute Kandidaten wissen, dass jedes Unternehmen seine Schwachstellen hat und nicht in allen Belangen glorios als Arbeitgeber dasteht. Natürlich ist Personalmarketing letzten Endes eben auch Marketing – aber der Unterschied zum Produktmarketing ist, dass Authentizität viel wichtiger ist. Als Arbeitgeber sollte man mutig sein und auch mal Ecken und Kanten zeigen! Noch zu oft wird aus guten Ideen die „klare Kante“ wieder rausgebügelt. Schade. Mir hat beispielsweise das neue Employer Branding Video von Daimler gefallen, welches das Buzzword-Bingo auf die Schippe nimmt.

Zeigen Sie nach der Entwicklung einer Positionierung Mut und Konsequenz und stellen Sie ein ausreichendes Budget sicher! Der Einfluss der Verantwortlichen im HR Marketing reicht häufig nicht aus, die Unternehmensführung davon zu überzeugen, dass Erfolge nicht binnen Quartalsfrist eintreten und Investition nicht bedeutet, einmalig 50.000 Euro zu investieren. Auch nach mehr als 10 Jahren Employer Branding werden die Schlüsselfunktionen zudem immer noch häufig mit Mitarbeitern besetzt, die neu in das HR Marketing einsteigen, schnelle kurzfristige Erfolge erzielen müssen und dann in die nächste Position oder zum nächsten Arbeitgeber wechseln. Teilweise haben sie im Sinne ihrer persönlichen Entwicklung kein Interesse an langfristigen Themen, da sie selber nicht mehr in der Lage sein werden, die Lorbeeren zu ernten.“