Mitarbeiterbindung, Tools

„Eine Softwarelösung soll kein Gespräch ersetzen, sondern es besser machen“

Ein Interview mit Thorsten Rusch, Team Lead Solution Consulting DACH EE bei Cornerstone OnDemand über die neue Arbeitssituation, erhöhte Flexibilität im Büro – und digitale Weiterbildungsmodelle.

Herr Rusch, Home-Office und Digitalisierung verändern gerade die Welt der HR-Experten. Wie hat sich Cornerstone OnDemand in den letzten Monaten selbst an diese neue Realität angepasst?
Als Softwarehaus ist Cornerstone natürlich grundsätzlich eine sehr agile Organisation. Arbeit im Home-Office ist seit jeher gang und gäbe. Von daher fiel uns der Übergang relativ leicht und wir konnten ohne Übergangsphase vom Büro aufs Home-Office umstellen. Ein Einschnitt war es für uns allerdings, keine physischen Meetings mehr abhalten zu können. Aber wie die meisten haben wir uns schnell daran gewöhnt.

Wir sind seit Mitte August wieder unter strengen Auflagen physisch im Büro. Hier kommt ein gut strukturierter Prozess zum Einsatz. Jeden Montag schickt die HR-Abteilung ein Update zu den neuesten Entwicklungen in punkto Corona und den Auswirkungen auf uns. Dabei geben wir unseren Mitarbeitern aber auch Freiheiten: Wenn jemand nicht in ein Meeting gehen möchte, muss er das auch nicht. Diese Flexibilität hat uns in den letzten Monaten sehr geholfen.

Die neue Arbeitssituation wird sich so schnell nicht mehr rückwärts bewegen, insofern werden viele Mitarbeiter zukünftig auch im Home-Office weitergebildet. Welche Kurs-Arten oder Möglichkeiten bieten Sie Ihren Kunden an?
Zum einen geht es um Learning-Management, also darum, dem einzelnen Mitarbeiter Zugriff auf verschiedene Arten von Trainingsprogrammen zu gewähren. Wir haben hier klassische E-Learning-Angebote für den Einzelnen, es gibt aber auch Learning-Communitys, in denen man sich mit anderen im Unternehmen austauschen kann. In meinem Bereich gibt es zum Beispiel eine Solution-Consulting Gruppe, in der wir unsere beruflichen Fragen diskutieren. Für das klassische Mitarbeitergespräch sind unsere Check-ins eine gute Möglichkeit für Vorgesetzte und Mitarbeiter, sich zu treffen und auszutauschen.

Im Bereich der E-Learnings bieten wir kuratierte Pakete an, welche Lerninhalte zu bestimmten Themen umfassen. Besonders für Unternehmen, bei denen es die Mitarbeiter nicht gewohnt sind, von Zuhause zu arbeiten, haben wir das Paket „Remote Work Essentials“ ins Leben gerufen, welches den Mitarbeitern dabei hilft sich in der aktuellen Situation zurecht zu finden und mit digitalen Tools zu arbeiten. Zudem bieten wir als Ersatz für die physischen Veranstaltungen digitale Konferenzen. Auf diese Weise sind wir in den letzten Monaten in Kontakt geblieben und haben unser Learning vorangetrieben.

Darüber hinaus stellen wir unseren Kunden ein Tool zur Verfügung, mit dem sie selber E-Learning erstellen können. Dies nutzen wir aber auch für uns. So hat unsere HR-Abteilung beispielsweise einen Kurs zum Verhalten zu Corona-Zeiten im Büro erstellt.

Thorsten Rusch, Team Lead Solution Consulting DACH EE bei Cornerstone OnDemand

Gibt es bereits erste Erhebungen, wie zufrieden und erfolgreich die digitalen Weiterbildungsmodelle sind?
Natürlich profitieren wir als Anbieter von Online-Learning-Angeboten von der derzeit steigenden Nachfrage nach Online-Kursen. Unsere Lösung wird seit Beginn der Pandemie insgesamt häufiger aufgerufen und die Nutzer machen mehr Trainings. Diese Entwicklung hat aber auch noch einen zweiten Hintergrund, denn die Unternehmen gestalten ihre Anwendungen immer nutzerfreundlicher – und sie drängen ihre Mitarbeiter stärker dazu, Online-Kurse zu belegen. Dabei spielt das Interesse des Mitarbeiters selbst zusehends eine wichtige Rolle – also die Frage, was er selbst lernen möchte.

Gerade Bereiche wie Weiterbildung oder Talent Management haben immer eine menschliche Komponente. Wie kann man diese in digitalen Geschäftsprozessen dennoch abbilden?
Eine Softwarelösung soll kein Gespräch ersetzen, sondern es besser machen. Anstatt nur ein oder zwei Mal im Jahr zusammen zu kommen, sollten sich Mitarbeiter und Führungskraft regelmäßig über das Jahr hinweg austauschen und die Perspektiven aneinanderhalten. Dies wird beispielsweise durch sogenannte „Check-ins“ in unserer Lösung unterstützt. Anschließend geht es darum, die Punkte zu diskutieren, bei denen man auseinanderliegt. Die menschliche Komponente darf daher auf gar keinen Fall fehlen, die Software ist ja letztlich nur das Trägermedium für den Inhalt – das darf man nie vergessen!

Setzen Sie bei Ihren Produkten auch KI und Big Data ein und wenn ja, könnten Sie dies an einem Beispiel erläutern?
Hier kann ich zwei Beispiele geben: Auf Basis von Machine Learning können wir konkrete Vorschläge für Lerninhalte machen und dem Nutzer auf Basis seiner Position, Abteilung, Standort und weiteren Kriterien relevante Schulungen anzeigen. Das andere Beispiel ist unsere Skills-Ontologie: Hier haben wir in einer Datenbank über zehn Millionen Berufsprofile in mehreren Sprachen gespeichert und in einer Bibliothek mit 50.000 verifizierten Skills verdichtet, die auf Basis des Lebenslaufs konkrete Skills identifizieren und anzeigen können. Unternehmen können so herausfinden, welche Kompetenzen und Skills für Weiterentwicklung des Mitarbeiters wichtig sein könnten und Schulungen vorschlagen, die dem Mitarbeiter helfen, sich genau in diesen Bereichen weiter zu entwickeln.