Prozessoptimierung

Verbesserung der Candidate Experience

Der Entscheidungsprozess für ein Unternehmen beginnt für potenzielle Mitarbeiter schon vor der Bewerbung – mit einer ansprechenden Website und einem leicht bedienbaren Bewerbermanagementsystem. Doch wenn Sie Ihre Candidate Experience wirklich nachhaltig gestalten wollen – beschäftigen Sie sich mit Ihrer Kultur.

Es ist tatsächlich eine Frage der Perspektive, die einen zum Denken bringt. Behandle ich Bewerber wie Kunden und potenzielle zukünftige Mitarbeiter oder wähle ich doch lieber die „Bewerber sind Bittsteller“ Variante. Interessanterweise scheinen sich viele Unternehmen unbewusst für letztere Variante zu entschieden. Dies mag die Macht der Gewohnheit sein oder aber auch der Mangel an Zeit, der Verantwortliche nicht strategisch über solche Prozesse sinnieren lässt. Wir sind in einer Zeit angelangt, in der viele von Bewerbermangel sprechen und es an allen Ecken und Enden an passenden Kandidaten fehlt. Ist dies aber Grund weswegen man sich mit seiner Candidate Experience auseinandersetzen sollte? NEIN.

Fehltritte, die zu Imageschäden führen

Viel entscheidender sind die Entwicklungen der Kommunikation für diesen Bereich. Social Media und neue Formen der Vernetzung schaffen eine Präsenz auf der Welt, die diese „Fehltritte“, die tagtäglich in den Bewerbungsprozessen der Unternehmen geschehen, zügig ans Tageslicht befördern. Ein gewaltiger Imageschaden kann die Folge sein, der sehr unangenehme Ausmaße annehmen kann.

Ein Weg, diese Themen in den Griff zu bekommen, ist sich das 1×1 des Recruitings zu schnappen, und Schritt für Schritt Dinge wie Onlinebewerbungsformular oder automatisch generierte Emails zu optimieren. Hier liegt gerade in Deutschland ein gewisses Potential verborgen. Nehmen wir die mobile Experience als Beispiel. Natürlich sollten heutzutage die Karriereseite sowie die dazugehörige Stellenbörse des Unternehmens mobil optimiert sein. Aber seien wir mal ehrlich, die meisten Optimierungspotentiale in diesen Bereichen sind Standard und zudem Hygienefaktoren. Der Kandidat erwartet ein gewisses Maß an Technik und sollte beim Besuch der Karriereseite oder des Bewerbermanagementsystems nicht in der digitalen Steinzeit landen.

Lernt der Kandidat die Unternehmenskultur kennen?

Aber wenn Sie wirklich etwas für Ihre Candidate Experience tun wollen und dies nachhaltig erfolgen soll, dann sollten Sie sich mit Ihrer Kultur beschäftigen. Fragt man Kandidaten, so ist dies auch der Punkt, an dem sich ein Unternehmen vom Wettbewerb innerhalb des Bewerbungsprozesses differenzieren kann. Die neueste Technik in die Karriereseite verbauen kann jeder. Aber sich auch während des Prozesses kulturell darzustellen, das schaffen die wenigsten Unternehmen.

Robindro Ullah arbeitet seit neun Jahren im Bereich der Personalgewinnung. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet. Darunter mit dem HR Excellence Award 2014 für die Kategorie bestes Stellenanzeigenkonzept und dem SMP Innovator Preis im Jahr 2013. Auf dem Blog www.hrinmind.de finden Interessierte seine aktuellen Beiträge.

Wann sind Sie das letzte Mal Ihren Bewerbungsprozess durchgegangen und haben die Punkte analysiert, an denen der Kandidat die Chance hätte, Unternehmenskultur zu schnup­pern? Können Sie von Ihrem Prozess behaupten, dass Kandidaten, die diesen durchlaufen haben, im Anschluss wissen, wie es ist, bei Ihnen zu arbeiten? Das sind die Schlüsselfragen. In Gesprächen haben wir immer wieder festgestellt, dass den Kandidaten genau diese Einblicke  fehlen. Prozesszeitverzögerungen und unhandliche Tools werden verziehen, wenn der Blick ins Unternehmen gewährt wird und im Prozess Transparenz herrscht.

Es ist die berühmte Augenhöhe, auf der kommuniziert werden sollte, gepaart mit kulturtransportierenden Elementen. Diese sind meist nicht ganz trivial. Aber betrachten wir doch ein konkretes Beispiel. Wie sieht der Ort aus, an dem Ihre Bewerber auf das Bewerbungsgespräch warten? Ist dies ein Ort im Unternehmen, an dem viele Mitarbeiter vorbeikommen und das Leben blüht? Oder warten Ihre Kandidaten einsam und alleine im Dunkeln? Gleichermaßen können Sie sich fragen, ob der Weg vom Eingang bis zum Interview optimal gewählt ist. Natürlicher Weise nehmen die meisten Personaler den kürzesten Weg zum Interviewraum. Aber der kürzeste Weg muss nicht der optimale im Sinne der Candidate Experience sein.

Details wie die Touchpoints im ­Bewerbungsprozess sind wichtig

Am Ende des Tages sind es doch die kleinen Dinge, die große Wirkung erzielen können. Sie haben einen Sockel, den man als Mindeststandard beschreiben kann, der überwiegend technischer beziehungsweise prozessualer Natur ist. Daneben stehen dann aber wie beschrieben viele kleine Dinge, wie den Weg zum Interviewraum, das Wording der automatisch generierten Emails oder aber das Kommunikationstraining der Recruiter, Sourcer, Personalmanager, Hiring Manager oder Empfangs­personal. Derlei Punkte, auch Touchpoints genannt,  finden Sie zu Hauf in Ihren Prozessen. Gehen Sie diese fokussiert an und heißen Kandidaten als Kunden des Bewerbungsprozesses willkommen.